Gedanken zum Tag (20.02.2026)

KOMMENTAR von Guido Sawatzki

„SPORT UND KULTUR HABEN IN DER POLITIK NICHTS VERLOREN“  …?

Sport wie auch die Kultur können zwar nicht die Welt retten, sie können aber dazu beitragen, dass sie menschlicher wird. Wir nehmen daran teil, indem wir mit den AthletInnen bei den Wettkämpfen mitfiebern und den Kulturschaffenden neugierig über deren Schulter schauen, um ihnen die Geheimnisse ihrer Kunst zu entlocken.

Ihr Sport und ihre Kunst sind ein Teil ihres Menschseins.

Verpasse ich ihnen einen Maulkorb, werden weite Teile ihrer Menschlichkeit verlorengehen. Bei SportlerInnen ist die Fähigkeit zum Reflex, zum spontanen Handeln wichtig, um im Bruchteil einer Sekunde die richtige Entscheidung zu treffen und diese vom Körper abzurufen. Bei Kulturschaffenden ist dies gleichermaßen wichtig … ihre Fähigkeit zum spontanen Handeln ebenso wie das „Herauslassen-dürfen“ und das „Sich-zeigen-können“, damit sich ihre Kreativität ohne einen Zwischenruf, ohne ein Dagegen-sein öffnen kann.

Damit das so ist, braucht es die Freiheit

– auch die Freiheit zu sprechen … das zu artikulieren, was auch sie, die Athleten, „so umtreibt“. Ohne Scheuklappen muss es ihnen möglich sein, das auszusprechen, was sie fühlen und was sie denken … und seien es politische Inhalte.

Hat der einzelne Athlet hierfür nicht das richtige Forum – die richtige Bühne – gewählt, so wird ihn das Publikum dies sehr schnell spüren lassen. Denn der Athlet erliegt manchmal dem Irrglauben, dass allein seine körperliche Leistung wichtig sei. Das Publikum jedoch registriert ihn als Ganzes – spätestens dann, wenn er in dessen Augen Schwachsinn redet – und wird ihn zurechtweisen. Eine solche Zurechtweisung sollte jedoch niemals zu einem Ausschluss des Sportlers von den Wettkämpfen führen.

Den betreffenden Athleten a priori ihre geistige Freiheit nehmen zu wollen – sie in ein entsprechendes Korsett zu zwängen –, ist keine gute Idee. Denn habe ich erst mal einen Teil ihres Menschseins weggesperrt, will auch der andere Teil nicht mehr „funktionieren“.

WAS ZÄHLT, IST DER GANZE MENSCH.

Nicht anders ergeht es dem Kulturschaffenden. Sein ganzes künstlerisches Leben ist doch ein Hürdenlauf. Bis er mal das Glück hat, Anerkennung zu finden in seiner Kunst – zu schreiben, zu malen, zu spielen (Musik), zu gestalten (auf vielfältige Weise) – können Jahre … ja Jahrzehnte vergehen. Noch mehr als beim Sportler spielt bei ihm das Glück eine wesentliche Rolle – das Glück, einen Verlag, eine Galerie oder gar ein Museum zu finden … das Glück, ausgestellt und dadurch bekannt(er) zu werden …

Anders jedoch als beim Sportler setzt ihm sein (oftmals unzuverlässiger) Körper selbst bis ins hohe Alter hinein in aller Regel nur wenige Grenzen. So ist die Zeit, kreativ zu sein für einen Kulturschaffenden dehnbarer als für einen Spitzensportler, den schon die kleinste Verletzung daran hindern kann, seine volle Leistungskraft auszuschöpfen. Jeden Kulturschaffenden jedoch wird es aus dem Rhythmus bringen, wenn er „von oben“ in seiner (geistigen) Freiheit Fesseln angelegt bekommt, wenn ihm der Mund verboten wird von Politikern, die meinen, dass ihn, den Künstler, ihr Tun nichts angeht. Doch gerade, weil es in der Moderne die Politik ist, welche die Welt verändert – für jeden, der darin lebt –, ist es folglich Jedermanns Recht, sich entsprechend zu artikulieren. Dies dem geistig Kreativen und Kunstschaffenden verbieten zu wollen, würde zugleich heißen, ihm, dessen essentieller Bestandteil das Denken ist, das Menschsein zu untersagen.

Ich weise bei passender Gelegenheit gerne auf Rosa Luxemburg und ihren Leitspruch „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ hin. Diese Freiheit steht immer über jedem Regelwerk, welches den Menschen den Mund verbieten möchte – auch dem von Olympia. Olympische Spiele, welche die Freiheit der Sportler – und damit die Freiheit des Wortes – einschränken, sind ihres Namens nicht wert. 

DENKEN IST UNIVERSAL

 – und muss es bleiben. Der Einzelne kann wenig für das, was die Politiker „da oben“ so treiben – aber der Politiker hat es in seiner Hand, den Menschen die Freiheit, eines der kostbarsten Güter, zu erhalten.