Kommentar von Guido Sawatzki
AN ALL DIE BORNIERTEN KUNSTSCHMAROTZER
in Waldenbuch, Deutschland und der Welt!
(Anmerkung für die „Globetrotter“, denen ein Flugticket zum Mond oder Mars begehrenswerter erscheint als die Blumenwiese vor ihren Augen: Waldenbuch ist ein Städtlein zwischen dem Studentenmekka Tübingen und der Stuttgart 21 – 3.0-„Metropole“)
In einem Newsletter rufen die Veranstalter der Winterlesezauber-Buchmesse ihre Fans dazu auf, angesichts von Sommerhitze und -flaute beim Buchgeschäft keinesfalls die Flügel hängen zu lassen, sondern sich mit aller Kraft auf den Leseherbst und die kühlere Jahreszeit vorzubereiten. Dem kann ich nur beipflichten. Doch ist dies nur die eine Seite der Medaille.
Mit meiner bewusst provokanten Einleitung möchte ich vielmehr auf die Misere hinweisen, in der zahlreiche Mit-Autoren – insbesondere Selfpublisher – stecken. Social Media verkommt immer mehr zu einem Marktplatz der Schreihälse: Wer am lautesten blökt, bekommt den meisten Beifall … der Inhalt spielt hierbei fast keine Rolle mehr. Ähnlichen Szenen begegnen Kulturschaffende wie ich aber auch vor der eigenen Haustüre. So beherbergt mein Wohnstädtchen tatsächlich auch Denkmäler der Kultur – darunter das imposante Kunstmuseum eines WELTbekannten Schokoladenherstellers. Entsprechend bemüht es sich, in seinen Räumlichkeiten mit Werken WELTberühmter Künstler zu glänzen.
Niemand wird abstreiten wollen, dass große „Namen“ Publikumsmagnete sein können, aber muss denn dabei die vorherrschende, regionale Kultur in Gestalt zahlreicher Kunst- und Kulturschaffender in allernächster Umgebung ignoriert werden? Da fehlt es, meine ich, an entsprechendem Selbstbewusstsein derer, die per se die Vertreterrolle für die Kulturschaffenden für sich reklamieren.
Nun sind zugestandenermaßen meine Bücher und Blogs mitunter schwere Kost – insbesondere für diejenigen, die ihre „Weisheit“ überwiegend aus den sogenannten Sozialen Medien beziehen. Doch bin ich so vermessen, zu behaupten, dass auch sie mittlerweile ihre Freunde – neudeutsch „Follower“ – haben.
„Wie ich schreibe, so bin ich …“ oder “Wenn man sich das Leben aus dem Leib schrei(b)t …“ gehören zu meinen persönlichen Graswurzelsätzen … Neuerdings aber auch: „Wer Sprache vereinfacht – verblödet!“
In weitestgehender Ermangelung menschlicher „Gesellschaft“ – Schriftsteller sind im Grunde immer allein – ist das Schreiben (und damit die Literatur) mein Beschützer, mein Anker und mein Zuhause. Und dieses „Zuhause“ zu verteidigen kann Lebensaufgabe genug sein.
„Kultur“ ist nicht (automatisch), wenn einer abgehoben daherkommt und sich entsprechend zu präsentieren versucht. „Wa(h)re“ Kultur besteht im Wesentlichen aus der Geschichte des eigenen Ichs, angereichert mit einer essentiellen Portion Geist, etwas Bildung und der Fähigkeit, sich für Neues zu öffnen – nicht zu vergessen die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen. Gerade der offene Diskurs ist für mich ein wesentlicher Bestandteil von Kultur und sollte deshalb sowohl die Kulturschaffenden als auch deren Distributoren auszeichnen.
Museumsbetreiber, Leiter/innen von Stadtbibliotheken und vergleichbarer Institutionen tragen hierbei eine besondere Verantwortung. Wer der Kultur vorsteht, sollte nicht ständig nach oben schielen, sondern vielmehr offen sein für kulturelles Schaffen in seiner direkten Umgebung – und beispielsweise von sich aus Lesungsmöglichkeiten für Schriftsteller anbieten. Doch um eingefahrene Gleise zu verlassen, dazu braucht es persönliches Engagement!
Und genau daran reibt sich meine „Kritik“ … siehe Anfang.