Ein Essay von Guido Sawatzki
SCHREIBEN IN ZEITEN VON TRUMP
Oder sollte ich besser (und ehrlicher) so formulieren: „Schreiben in Zeiten der Pest?“.
Schreiben ist für mich etwas Essentielles. So, wie ich empfinde, schreibe ich … unverfälscht, authentisch – ohne Fesseln. Seit Trump Andersdenkende ächtet, sie verfolgt und aus „seinen“ Bibliotheken und aus Universitäten verbannt, erfährt Schreiben eine andere Qualität. Die Luft, die derzeit aus den USA herüberweht, schmeckt eitrig. Die Unbeschwertheit, welche den Gedanken Flügel verleiht, ist verlorengegangen – in einer Diktatur weicht sie oft düsteren Gedanken … der Geist ist gelähmt. Literarisches Schreiben jedoch verlangt nach Freiheit – möchte sich der Vielfalt der Sprache und ihren Impulsen hingeben können.
Doch die Schönheit der Sprache verblasst, sobald sie nicht mehr frei atmen kann … ihr Ketten angelegt werden – es keine Meinungsfreiheit mehr gibt und Menschen nur noch hinter vorgehaltener Hand zu sagen wagen, was sie wirklich denken.
Als „Bruder im Geiste“ habe ich jüngst den deutsch-amerikanischen Schriftsteller Charles Bukowski (1920-1994) entdeckt. In einem Brief an seinen Verleger John Martin (1986) heißt es (Quelle: Literatur & Philosophie, Facebook‑Beitrag vom 18.01.2026):
„ … Die Menschen leeren sich einfach. Sie sind Körper mit ängstlichen, gehorsamen Köpfen. Die Farbe verschwindet aus den Augen. Die Stimme wird hässlich. Und der Körper. Die Haare. Die Fingernägel. Die Schuhe. Alles wird hässlich. …
Ich schrieb einfach aus Ekel gegen das Ganze an. Es war eine Erleichterung, den ganzen Dreck aus meinem System zu bekommen. …“
Bukowski spricht mit diesen Sätzen das aus, was ich, seit Menschen wie Trump in unserer Welt das Sagen haben, genauso empfinde.
Bukowskis persönliches Fazit zu seinem Beruf als Schriftsteller – er fing erst mit 49 Jahren an zu schreiben: „Nicht das ganze Leben vergeudet zu haben, scheint mir eine beachtliche Leistung zu sein – wenn auch nur für mich selbst.“
„LEBST DU NOCH – ODER DENKST DU SCHON?“
Schreiben-Lesen-Denken – gehört doch irgendwie zusammen … oder? Nach meinen Beobachtungen jedoch machen sich immer weniger Menschen die Mühe, längere Texte aufmerksam zu lesen. Eine solche Einstellung, meine ich, ist in „Trump-Zeiten“, in welchen Anstand, menschliche Werte und Moral auf den Prüfstand stehen, absoluter Luxus.
Nun werden mir nicht wenige Leser entgegenhalten, dass sie mit Politik eh nichts am Hut haben. Aber genau das ist es doch, was Politiker aller Couleur regelrecht entzückt. Bürger mit einer solchen Haltung sind manipulierbar … sind ein gefundenes Fressen. Politiker genauso wie die „sozialen Medien“ verkürzen ihre (bei genauem Hinsehen meist ohnehin dürftigen) virtuellen „Botschaften“ dann so sehr, dass diese exakt in die Zeitspanne von 1,7 bis maximal 10 Sekunden passen – so groß ist aktuellen Studien zufolge die Aufmerksamkeitsspanne von Internetnutzern, um dann zu entscheiden, ob sie der Text interessiert. (Sollten Sie es also geschafft haben, mir bis hierher geistig zu folgen, dann liegen Sie bereits weit über dem Durchschnitt.)
Es gibt Romane von mir mit mehreren hundert Seiten … meine Kurzgeschichtenbände haben immerhin auch einen Umfang zwischen 84 und 192 Seiten. Und ich wage es, auch letztere unter den Begriff von Literatur zu subsumieren. Die größten Erfolge habe ich dort, wo Menschen sich Zeit nehmen … beispielsweise an meinem Bücherstand auf Messen. Ich animiere sie dann nicht großartig, sondern sage einfach: „Nehmen Sie ein Buch in die Hand – doch nehmen Sie sich Zeit!“. Nicht Jede und nicht Jeder folgt meiner Aufforderung. Doch liegt das Buch erstmal in der Hand des Lesers, dann steigt die Chance, dass die beiden, der Leser und das Werk Freundschaft schließen.
Hinwegbeamen aus der Welt der hastig dahingeworfenen Sensationsschnipsel, die wir unterwegs im Überfliegen konsumieren – hinüber in eine Welt der Stille, der Zurückgezogenheit … der Kontemplation … der Geborgenheit. Erst dann können wir etwas von der berühmten Leichtigkeit des Seins spüren. Was gibt es Schöneres? Gewiss hat auch die Welt des Lauten und Fordernden ihren Reiz – jedoch nur für den Augenblick … nicht von Dauer.
Gute Texte von Schriftstellern sind es wert, immer wieder gelesen zu werden. Dass Bücher (auch) im Internet stehen, ist von unschätzbarem Vorteil für Menschen, denen der Zugang zur Literatur nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist. Wenn in totalitären Staaten der Internetzugang für die Bevölkerung gekappt wird, ist so etwas gleichbedeutend mit der Verbrennung von Büchern und Schriften.
FAZIT:
Sich täglich lediglich mit Informationsschnipseln via Internet versorgen zu lassen, produziert Menschen, die am Ende unfähig sein werden, selbständig zu denken, selbst zu handeln und ebenfalls selbst Verantwortung zu tragen – die wie die Lemminge dem Prinzip der Gleichschaltung folgen.
Ein solches System produziert keine selbstständigen Menschen, sondern verunsicherte Erwachsene mit Warnwesten-Seele.
Ich halte es für eine dringende Aufgabe von Bürgern mit demokratischer Gesinnung, sich gegen eine solche verhängnisvolle Entwicklung zu stemmen. Nur so werden wir es schaffen, dem Menschsein zuwiderhandelnden Potentaten wie Donald John Trump wirksam Widerstand zu leisten. Selbständig denken verlangt immer auch danach, die Dinge zu hinterfragen … ALLES zu hinterfragen (!).
DENN DIE WAHRHEIT IST ES, DIE IMMER ZUERST AUF DER STRECKE BLEIBT.
Ein abschließendes Zitat der Schriftstellerin Amelie Fried auf facebook vom 14.01.2026: „Die USA sind kein demokratischer Rechtsstaat mehr. Die USA sind ein, von einem verbrecherischen Soziopathen angeführter, autokratischer Staat auf dem Weg in den Faschismus.“