von Guido Sawatzki
WEHRT EUCH!
Der große Europäer Stéphane Hessel (1917 – 2013), Menschenrechtsaktivist, Widerstandskämpfer, Diplomat und Lyriker veröffentlichte 2010 den Essay „Empört Euch“. Darin kritisiert er u.a. den Finanzkapitalismus, die Behandlung von Minderheiten und plädiert für Gewaltlosigkeit.
Würde er heute Donald Trump erleben, der wie ein Raubritter im 30jährigen Krieg die Welt heimsucht, dann hätte sein aktuelles Buch womöglich den Titel: „Wehrt Euch!“.
Eingelullt von der Nachkriegsordnung und verwöhnt vom Wohlstandskapitalismus der vergangenen Jahre scheint das Wort „sich wehren“ keinen Platz mehr in unseren Köpfen zu haben – es wirkte vor kurzem noch reichlich anachronistisch … gewissermaßen out of fashion … und hatte höchstens noch in Spielfilmen seine Berechtigung.
Seitdem der Präsident der Vereinigten Staaten der Welt jedoch seinen Willen aufzwingen will, sie erpresst, seit Donald Trump zu Gewalt anstachelt und politische Gegner im eigenen Land mit dem Tode bedroht, ist nichts mehr, wie es war.
Wenn dieser Präsident seine ICE-Truppen – nicht unähnlich den SA-Truppen Adolf Hitlers – beglückwünscht, dass sie, wie in diesen Tagen geschehen, unschuldige Menschen, die deren Anweisungen nicht unmittelbar Folge leisten, kaltblütig erschießen, er dies in „Notwehr“ ummünzt und dies kraft seines Amtes gutheißt und die Welt zwingen will, auch hierbei brav mit dem Kopf zu nicken oder zumindest den Mund zu halten – dann ist es Zeit zu handeln.
Kein Präsident, der sich einen Kehricht um Gesetze schert, wenn sie ihm nicht in den Kram passen, kann verlangen, dass die Bürger seines Landes dessen Gesetze befolgen.
Nun sind Bürgerkriege, Aufstände und Massendemonstrationen den meisten US-Amerikanern noch aus der Zeit der Rassendiskriminierung und des Vietnamkriegs in Erinnerung. Die „guten Zeiten“ des wirtschaftlichen Aufschwungs und des demokratischen Fortschritts haben jedoch die meisten von ihnen bequem werden lassen. Hinzu kommt, dass ihre „festgeschriebenen“ Werte wie Presse- und Meinungsfreiheit jahrzehntelang nie ernsthaft zur Disposition gestanden haben.
In den USA sind ab März die Bürger bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus und den Wahlen zum Senat der Vereinigten Staaten nicht nur dazu aufgerufen, den Volksvertretern ihre Stimme zu geben, sondern in diesem Jahr entscheidet sich auch, ob dieses amerikanische Volk käuflich ist – sich von einem geld- und machtgierigen Klüngel im Weißen Haus um den Finger wickeln lässt.
Sagt das amerikanische Volk hierbei „Ja“ zu diesem Präsidenten, dann sagt es langfristig Ja zur Unfreiheit und zu seiner Entmündigung.
WIR DEUTSCHE SIND GEFRAGT!
Auch in Deutschland haben es sich sehr viele in ihrer Wohlstandsblase bequem gemacht. Die derzeitige politische Situation auf der anderen Seite des Atlantiks jedoch macht es unmöglich, mit verschränkten Armen dazustehen und zu sagen: „Was geht das mich an?!“.
Nein – angesichts eines korrupten und verlogenen politischen Führers, der seine persönlichen Interessen über alles stellt, steht auch deren Stellung und Glaubwürdigkeit zur Disposition.
Weil wir Europäer, hier insbesondere die Deutschen, uns auf die USA verlassen haben – wirtschaftlich wie militärisch – stehen wir nunmehr vor einem Scherbenhaufen. Eine Loslösung von den Vereinigten Staaten und aus deren Abhängigkeit würde viele Jahre in Anspruch nehmen. Der Schlüssel zu einer Lösung kann nur in einem engen und glaubwürdigen Schulterschluss aller Europäer liegen. Dies nicht zuletzt angesichts des amerikanischen Militärschlags der USA gegen Venezuela aus wirtschaftlichen – Ölvorkommen – und machtpolitischen Gründen sowie der bereits vielfach geäußerten Absicht des amerikanischen Präsidenten zur „Übernahme“ Grönlands. Für seriöse Beobachter des Ganzen ist de facto „das Völkerrecht tot“. (Siehe auch „Teleschau“ online 07.01.2026; Diskussion mit Markus Lanz und den Journalisten Elmar Theveßen u.a.).
DER HEMMSCHUH ZUR EINIGUNG:
Den einzelnen Staaten ist hierfür die Fähigkeit und der politische Wille abhandengekommen. Ein Beispiel ist die verfehlte Migrationspolitik, bei welcher jeder einzelne Staat immer noch weitgehend sein eigenes Süppchen kochen will.
So unwahrscheinlich es also ist, dass die Europäer sich zu einer gemeinsamen Haltung gegen Trump durchringen (anstatt zu Kreuze zu kriechen), umso wichtiger ist es, dass sie – und insbesondere die Deutschen – sich mit den folgenden grundsätzlichen Fragen konfrontieren lassen:
- Wollen wir jemandem folgen, der seine Legitimität daraus bezieht, dass er derzeit weltweit über die größte Macht, über das meiste Geld und die meisten Waffen verfügt?
- Wollen wir weiter die Augen vor Unrecht und Willkür verschließen?
- Wollen wir weiterhin diejenigen politischen Führer und ihre Chargen unterstützen, denen Macht und Pöstchen wichtiger sind als das „Volk“, das sie gewählt hat?
NEIN … sagen wir NEIN! Denn was den Menschen vom Tier unterscheidet, ist in erster Linie sein Gewissen.
Wenn alle Werte und Moralvorstellungen versagen, dann ist das persönliche Gewissen die einzige Institution, auf die wir uns verlassen können.
ALSO: WEHRT EUCH!