Vergnügliche und lebendige Lektüre, spannend eingefasst mit ironischen Seitenhieben auf die kleinen und großen politischen Verrücktheiten. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.

Handlung

Politsatire

Die gechippte Kanzlerin

Wie entstand „Die gechippte Kanzlerin“?
Immer wenn ich an „die Kanzlerin“ dachte, dachte ich nicht nur an diese eine Person, vielmehr kam sie für mich fast wie eine multiple Persönlichkeit daher. Sie war mal die eine – und dann wiederum eine andere Person. Die sich herausbildenden Diskrepanzen nahm im politischen Alltag in aller Regel kaum jemand wahr; und falls doch, tat man es ab mit „So sind sie halt, die Politiker.“
„Angelas“ unterschiedliche und teils widersprüchliche Verhaltensweisen brachten mich auf die Idee, sie tatsächlich in einer fiktiven Geschichte sich selbst und ihr „zweites Ich“ spielen zu lassen. Die Idee mit dem Chip und einem Hund, der zu allem Überfluss auch noch den Namen seiner Besitzerin trug, war dann schließlich das Sahnehäubchen auf dieser Geschichte.
Das Ganze wäre fast in einen fulminanten Politkrimi ausgeartet, doch wird dank der überzogenen Darstellung der sprachlichen Eigenheiten verschiedener Figuren das Geschehen immer wieder ironisch unterlaufen, sodass das Werk auch als Satire auf unsere gegenwärtige gesellschaftspolitische Situation gelesen werden kann. Mir war es wichtig, dem Roman durch zahlreiche Dialoge Lebendigkeit zu verleihen und damit die Figuren auch auf sprachlicher Ebene mit einem hohen Wiedererkennungswert auszustatten.
Nicht von ungefähr richtet sich das Werk auch an Menschen mit gesteigertem Interesse an einem alternativen Blick auf das politische Geschehen sowie an humorvollen und grotesken Gedankenexperimenten.

Das Buch ist in dieser Form nicht mehr verfügbar. Es wird in Kürze mit neuem Titel in einer überarbeiteten Fassung über TREDITION neu aufgelegt. Wegen Restexemplaren fragen Sie gerne beim Autor direkt nach – siehe „Kontakt“.

Die einen gaben ihr den Beinamen „Krisenkanzlerin“, die anderen
nannten sie schlicht „Das Chamäleon“. Weder das eine noch das
andere war als Kompliment gedacht, im Gegenteil. Ohne Krise, so
die vorherrschende Meinung, gäbe es diese Kanzlerin nicht –
oder zumindest nicht mehr. Und das wiederum habe nur deshalb so
gut geklappt, weil sie so schnell, dass die andern es kaum
bemerkten, auf Du und Du mit der jeweiligen Krise war, sprich:
Sie machte sich eins mit der Krise und weichte sie quasi von
innen her auf … also gleichsam wie einen Mürbteigkuchen mit
Butterstreuseln. Das war mit dem Euro so, als die Sache mit
Griechenland auf der Kippe stand, aber auch bei der
Flüchtlingskrise 2015.

„Sie braucht einfach immer willfährige Helfer – oder genügend
Trottel, die ihr mit ihrer ekelhaft transusigen Art auf den
Leim gehen“ – dieser Satz wurde Dr. Oliver Weisskrauth, seines
Zeichens Präsident des RND (Reichsnachrichtendienst)
zugesprochen. Seitdem betrachtete die Kanzlerin ihn, wenn nicht
als Erzfeind, so aber immerhin als jemanden, dem man auf die
Finger schauen musste. Dank ihres unvergleichlichen Geschicks,
sich mit den richtigen Leuten zu umgeben – keiner zu schwach,
aber auch ja keiner zu stark – schaffte sie jedes Mal den
Spagat, sich aus einer Krise herauszumanövrieren.

„Same procedure as last year?“ – Fast fühlte sich Angela Rost
bei einer Wiederwahl wie in dem schon legendären
Silvestersketch mit Butler James und Miss Sophie. Und treu und
brav spielte sie weiterhin ihre Rolle. Irgendwie ein wenig
langweilig, musste sie manchmal schon denken. Fast musste sie
aufpassen, dass sie bei der Vereidigungsformel am Schluss nicht
antwortete, „same procedure as every year“.

Am Rande eines Wahlkampfauftritts in Niederbayern – die UIPD
(Urchristliche identitäre Partei Deutschlands) peilte bei der
anstehenden bayerischen Landtagswahl erneut die absolute
Mehrheit an – sollte die ehrenwerte Frau Bundeskanzlerin
offiziell und feierlich die Holzernte eröffnen. Ihre bayerische
Schwesterpartei, die UIPDB, zugleich der kleinere
Koalitionspartner in Deutsch-Reichsland, wurde durch den
Landeshauptmann Markus Knödel vertreten, der unlängst seinen
Vorgänger, den hochbetagten Horst Seegruber – böse Stimmen
hatten diesem hinter vorgehaltener Hand schon seit langem eine
ausgeprägte Senilität vorgehalten – im Amt abgelöst hatte.

Folgende Anmerkung sei an dieser Stelle gestattet: Früher hatte
das ja noch ‚Ministerpräsident‘ geheißen; aber im Zuge der
politischen Annäherung ans Nachbarland Austria – früher
‚Österreich‘ – hatte man kurzerhand die Ämter umbenannt. Und
außerdem – offiziell war das zwar noch nicht, doch die
Mehlschwalben zwitscherten es fast von jedem bajuwarischen
Misthaufen in dieser reichsdeutsch-österreichischen Grenzregion – war die angestrebte Angliederung, pardon: Wiedervereinigung,
schon lang in aller Munde. Lediglich die Sozen wollten das
immer noch nicht kapieren. Wenig verwunderlich, dass die im
Deutsch-Reichslandtrend mittlerweile an der 5-Prozent-Marke
entlang schrammten, rief sich Angela Rost hochzufrieden ins
Gedächtnis, während sie dem Landeshauptmann die fleischige,
dezent rosa gepuderte Hand entgegenstreckte. Der führte sie an
seine Lippen und hauchte ihr vorbildlich einen zarten Kuss
darauf.

Alles wäre wie üblich, also entsprechend dem einstudierten
Prozedere verlaufen, wenn da nicht wie aus dem Nichts diese
verflixte Kameradrohne eines Reporters der reichsdeutschen
Berliner Zeitung über den Köpfen der Festgäste am Blau des
Himmels aufgetaucht wäre, während die Bundeskanzlerin ihre
Ansprache hielt. Dogge Angela hatte sich dadurch derart
provoziert gefühlt – das konnte man in diesem Moment mit
Sicherheit annehmen -, dass sie ihre gute Erziehung und die
Rücksichtnahme auf ihr Frauchen, pardon, die Frau
Bundeskanzlerin und die andächtig lauschende, fröhlich
gestimmte Gesellschaft komplett über den Haufen warf. Und zwar
allumfassend – will sagen: die Dogge zerrte derart heftig an
der Leine, mit der sie am Rednerpult angebunden war, dass das
aus niederbayrischer Fichte angefertigte, und speziell für
Außeneinsätze und zum bequemeren Transport in Leichtbauweise
hergestellte Holzgestell umgerissen wurde. Zu allem Überfluss
schleifte die mit fliegenden Lefzen davonhetzende Hündin das
Pult jetzt auch noch hinter sich her.

Dies allein lässt sich noch nicht als Auslöser für die
nachfolgende Katastrophe ausmachen. Aber der zu diesem Anlass
eigens engagierte Forstwirt Adalbert Hinterseer hatte den
Knall, mit dem das Pult auf den Boden prallte, als Signal für
seinen staatstragenden Einsatz interpretiert. Auf ein Zeichen
hin – leider hatte ihm keiner vorher verraten, in welcher Form
dies erfolgen würde – sollte er nämlich einer gewaltigen, zuvor
mit einem sorgfältig durchgeführten, die Fallrichtung
bestimmenden Fällschnitt präparierten 20-Meter-Fichte, den
entscheidenden, ihr Leben beendenden Schlag versetzen. Mit
einem einzigen, energischen Hieb durchtrennte er die letzten,
die Fichte noch aufrechthaltenden Fasern und der Baum neigte
sich schwerfällig in Richtung des heranstürmenden,
eigensinnigen Hundes.

Bleibt noch hinzuzufügen, dass unser Forstwirt – seinen Namen
hier nochmals zu erwähnen wäre angesichts der schicksalhaft zu
benennenden Ereignisse der kommenden Monate wohl doch zu
peinlich – offensichtlich nur deshalb derart unglücklich
reagiert hatte, weil bis dahin bereits einige Stamperl
Zirbenschnaps seine Kehle hinuntergeflossen waren. Aber
schließlich hatte er auch schon erheblich länger als alle
anderen in der spätherbstlichen Kälte ausharren müssen – von
der Mühsal der Vorbereitungen ganz zu schweigen.

Angela Rost, welche blitzschnell die Gefahr erkannte, dass ihre
tierische Namensvetterin von dem fallenden Baum aufgespießt
oder zerquetscht werden könnte, ließ jegliche Contenance und ​
politische Rücksichtnahme außer Acht. Unter den mehr oder
minder panischen Schreien der erschrockenen Zuschauer rannte
sie ihrer Dogge hinterher, so schnell es ihr der prall sitzende
rosafarbene Hosenanzug erlaubte.

Dass sie mit ihren hohen Absätzen bereits nach wenigen Metern
in dem, an dieser Stelle leicht morastigen Waldboden stecken
blieb, vermochte die gestandene Frau nicht von ihrem Vorhaben
abzubringen. Voller Panik und in allerhöchster Sorge um ihr
heiß geliebtes Schoßhündchen schlüpfte sie aus dem lästigen
Schuhwerk und versuchte – Baum hin, Baum her – ihrer Dogge zu
folgen. Doch das Verhängnis nahm bereits seinen Lauf: Die
stürzende Fichte hatte den Waldboden schon fast erreicht. Unter
lautem Krachen verschlangen ihre Äste die beiden Angelas direkt
vor den Augen der entsetzten, geradezu wie betäubt wirkenden
und in unterschiedlichsten Tonlagen und Nuancen aufstöhnenden
Festgemeinde.

Danach? Bleierne Stille. Lediglich Forstwirt Hinterseer konnte
einen spontanen Kommentar nicht unterdrücken: „Oha.“

Was sagen die Leser?

Sowas muss einem erst einmal einfallen: Einer Kanzlerin eine Dogge zur Seite zu stellen, die beiden zu chippen, die dann infolge einer Verwechselung die Eigenschaften des jeweils anderen annehmen. Da kichern ja nicht nur die Hühner. Eine wirklich groteske Situation, die der Autor mit tollen, auch mundartlichen, bayerischen Dialogen untermalt. Amüsant finde ich auch den politischen Hintergrund: Die Kanzlerin wird zurückgerufen, weil ihr Nachfolger in einer Pandemie versagt. Köstlich die Intrigen, die da im Hintergrund gesponnen werden. Auch kein ausgewiesener Freund „der“ Kanzlerin wird seine helle Freude an den Geschehnissen um sie herum haben, denn das Ganze ist wirklich intelligent gemacht.
Radana S.